Über Magie

Ich stand und stand
bis ich kurz vor Mitternacht verschwand

Ein bisschen hier und dort
aber niemals der selbe Ort

Gewünscht war ein vollständiger Verstand
gut versteckt unter dem mir auferlegten Gewand

Neues Leben lässt sich so achtlos schenken
meistens zeigen sich zu wenige Bedenken

Gewiss wollte ich wagen
das Unaussprechliche zu sagen
Doch ging es verloren
irgendwo zwischen den geborgten Worten
und fürchterlichen Sorgen

Wenn ich verschwinden kann
mit dem neuen in mir
Sterne würde ich ihm pflücken
und schreien vor gesundem Entzücken
dem Sohn, dem Kind
Dem Neuen und blind
vor Liebe
vor Staunen
und bewachen

Mit dir unter der Brust der Welt entgegenlachen

 

(c) Anna Herzig

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Die Unterhaltung mit dem Kind (3)

Komm her, ich tu dir nichts
Wir kennen uns länger als du denkst
Ich will mir die Zeit nehmen um dir zu erklären:
In diesem Leben
Da kriegst du nichts geschenkt

Setz dich auf den Boden
Im Schneidersitz ganz nah zu mir hin
Schau zu mir hoch
Vielleicht finden wir einen Sinn

Was wir versuchen wollen
Ist ein Brechen der Zeit
Es gibt so viele Menschen
denen ich nachträglich sagen möchte:
Es tut mir Leid

Was interessiert es mich, alter Mann
Ich möchte nicht traurig sein
Ich bin im Hier und Jetzt
Deine letzten Worte
Die haben mir ein wenig zugesetzt

Du siehst doch
Ich bin noch so klein
Merk dir:
Zu mir und letztendlich dir
Darfst du niemals gemein sein

Ich, Ich, Ich
Geld zählt nicht in meiner Welt
Alles um mich herum unterstützt
meine stark verfeinerte Seelenwelt

Bitte hör auf damit
Sofort
Zu werden wie ich bin
Ich will dich nur beschützen
Das wäre mein Gewinn

Deine Haut hat Flecken
Wie meine Bananen
Du siehst nicht aus wie ich
Kein bisschen
Was hat es gesehen, dein Gesicht?

Deine Augen sind müde
Irgendwas mit Schmerzen ist dir passiert
Warum können wir nicht über schöne Dinge reden
Ich bin doch noch ein Kind

Es bleibt keine Zeit zu verschönern
Was nicht ist
Du musst Ehrlichkeit lernen
Sonst sind deine Launen wie der Wind

Noch hast du keine Eile
Dein Verstand ist größtenteils heile
Aber der Nebel wird kommen
Spätestens dann
Werden dir Dinge klar
Dinge die du nie wissen wolltest
Sie lassen dich zurück
Alleine
Und voller Sorgen

Ich mag nicht mehr
Du machst mir Angst
Wie hast du mich überhaupt gefunden?
Du hast mich vor langer Zeit weggebannt.

 

(c) Anna Herzig

Über das Schöne und die Vernunft

Das Schöne sieht die Vernunft an und denkt: Ich will fliegen

Die Vernunft sagt, bleib bei mir, bitte. Aber sie will weg. Weit weg und frei sein.

Die Spiegelung auf der Wasseroberfläche zieht sie an. Sehr intensiv. Sie scheint sich zu verlieben, aber wie könnte sie, wenn sie doch frei sein möchte?

Sie möchte sich nicht binden an die Tiefgründigkeiten der Vernunft, aber sie ist fasziniert, möchte sie anfassen. Von ihr lernen und verstehen. Was es auf sich hat mit der Intensität, die sie anzieht und nicht loslässt.

Die Vernunft sagt: Komm näher, ich will dich sehen.

Das Schöne sagt: Du bist gefährlich, das kann ich spüren. Lass mich frei sein und fliegen. Nur für eine Weile.

Die Vernunft ist älter. Tausend Jahre alt. Aber es ist ebenso fasziniert und möchte das Schöne erleben.

Die Vernunft denkt: Deine Augen sind älter als du es bist. Und sagt nur: „Hallo“

Das Schöne denkt: Dein Mund ist interessanter, als alles das ich jemals gesehen habe und „Hallo“ antwortet es.

Ich möchte deine Mund küssen, bis alles andere an Bedeutung verliert, bis ich nicht mehr fliegen möchte, denkt das Schöne und weicht zurück.

Die Zeit beobachtet ihre Kinder und ist amüsiert.

Die Vernunft ist mutig, obwohl sie dies nie sein darf und wagt sich vor:

„Bleib bei mir, flieg nicht. Fliegen ist mir zu riskant.“

Das Schöne ist erstaunt und gibt sich für einen Moment hin, der Vorstellung, gar nicht fliegen zu müssen um in den Wolken zu suchen, was es auf dem Boden nicht gefunden hat.

Die Konsequenzen für das Schöne wären unvorstellbar hoch.

Die Zeit versucht die Distanz zu verringern zwischen der Vernunft und dem Schönen und schenkt ihnen die Vertrautheit.

Die Vertrautheit flüstert:

„Weißt du noch, als du damals und seit her jede Nacht nur an sie gedacht hast?“
Die Vernunft nickt.

„Weißt du noch, wie es sich angefühlt hat, als dich die Vernunft berührt hat, mit den Augen, tief drinnen und du längst gewusst hast, dass du nicht mehr fliegen willst?“

Das Schöne nickt und zittert, erzittert bei dem bloßen Gedanken an die Berührung der Augen, die es schließlich fliegen lassen wollten.

„Wisst ihr noch wie gut es sich anfühlt, gemeinsam gehen zu lernen, um eine Freiheit zu erreichen, die euch Flügel wachsen lassen würde?“

Sie wussten es.

 

(c) Anna Herzig

Max & Mia (2)

MAX:

Das erste, das mir an dir aufgefallen ist, war dein unruhiges Blut.

Wild, ungestüm, fordernd. Du und dein unruhiges Blut, wie geht es euch heute? Kommt ihr klar? Welche Trivialitäten quälen euch?

Du hast dir vorgenommen, Mauern niederbrechen zu wollen, hast du denn all meine Warnungen nicht vernommen, gezweifelt an dem Wahrheitsgehalt meiner Aussagen?

Wie gefällt sie dir, die Dichte meiner Mauern, das Material aus dem ich bin?

Sag mir, Kätzchen, warum um Himmelswillen sitzt du wundenleckend in der Ecke und wunderst dich in all deinem Genuss über blaue Flecken und geprellte Rippen?

Lass es für uns regnen, ich weiß du kannst es machen, so machen, dass wir darüber lachen, Feuer entfachen zwischen den Tropfen, sind benommen vom gegenseitigen, fortwährenden an die Stirn des anderen klopfen, wohl fühlen ohne Worte, dein Schnurren das mir bis in die Knochen dringt, vollbringt Expeditionen durch die Antarktis, nackt und unterkühlt, die Kälte auslachend und wenn es kühlt, dann machen wir Feuer, um das uns andere beneiden würden. Sollten.

Ich trockne deine sturen Pfötchen mit den Lippen und helfe dir, dich von dem Dreck aus deinem Fell zu befreien.

Ach, Kätzchen, bitte lass es regnen. Nur ein paar Minuten noch.

 

(c) Anna Herzig

Max & Mia (1)

MIA:

Kater, lass uns tanzen gehen, diesmal richtig.
Du hinter mir und alles andere unbedeutend.
Du vor mir und die Welt steht still.
Du neben mir und es ist alles so, wie es sein soll.

Erkannt habe ich dich zwischen den Tropfen als diese eine Sache, die mich schwer atmen lässt, wenn ich versuche, bedeutungsvollere Worte dafür zu finden, wie sehr du für mich bist.

Du würdest sagen, du würdest doch fragen, wissen wollen, wissen müssen, wie es wäre in gleichen Teilen zu wagen und ertragen.

Du würdest doch, würdest du?

Hast du schon einmal über das Konzept der Schönheit nachgedacht, wie unvollendet es ist, wie fehlerhaft?

Schönheit war der Moment, in dem uns der Regen nicht gestört hat. Hätte es perfekter sein können, bestimmter? Dein Mund an meinem hat mir das größte Geschenk gebracht: Frieden. Mein Kopf hat sich zum Schweigen verführen lassen.

Als hätte es nie eine andere Situation in diesem Leben gegeben, als unsere Lippen aneinander. Schönheit war jeder Augenblick, in dem du mich nur angesehen hast. Es war mehr als diese eine Sache, mehr als alles Messbare.

Stilles Übereinkommen zwischen zwei Menschen, die einen Moment lang das Leben angenommen haben, als das, was es ist: Unvorhersehbar.

Ich bin Kätzchen, du bist Kater.

Vergessen wir Max und Mia, denn die Namen, sie variieren immer wieder.

 

(c) Anna Herzig

 

Die Gesellschaft der Liebe

Liebe will nichts müssen
Sie sagt einem sehr deutlich was es auf sich hat
Mit den Gefühlen
Den Küssen
Dem nicht mehr Allein einschlafen müssen

Sie lockt dich in ihren Schoß
Verführerisch flüsternd
Komm her, Komm her,
Das Herz mach ich dir nüchtern

Einmal verschätzt, für immer verbrannt
Den Verstand unter die Wasseroberfläche gebannt

Liebe ist Ausrede, Grund, Rechtfertigung
Sie macht blind, taub und dumm
Ihretwegen reden wir uns die Münder wund
Ihretwegen kommen die meisten Menschen um

Liebe kann alles und gleichzeitig Nichts
Liebe reißt Mauern nieder
Kaut an Wänden egal wie dicht

Liebe sagt: Komm her, ich tu dir nichts
Liebe sagt: Ich nehm dir jedes Gleichgewicht
Liebe sagt: Gut das wir uns nicht kennen
Liebe sagt: Schade eigentlich, ich könnt dir so viel Schönes nennen

Liebe kann warten, egal wie lange
Liebe macht uns zu Statisten im eigenen Leben
Soll man hoffen oder fürchten
Ihr zu begegnen

Sie kann befreien
Und es gleichsam schwer machen zu atmen
Männer verfallen, Frauen ebenso
Dem Streben nach Taten
Wenn das Feuer brennt lichterloh

Was bleibt zu sagen über die Liebe
Das man nicht schon weiß
Nichts
Denn seit jeher
Ist es der ewig gleiche Kreis

 

(c) Anna Herzig

Das Kind über das Leben (2)

Bei Nacht habe ich gefragt wovor ich Angst haben muss
sanft und beschützend ist Großmutter´s abendlicher Kuss.

Schmerzen fühlen, das kann ich schon
Bitte und Danke haben ihren eigenen Ton
Richtig und Falsch hängen irgendwie zusammen
Meine Eltern, ständig wollen sie reden
ein seltsames Verlangen

Auf Zehenspitzen bin ich größer als kleiner
das hilft beim Äpfel stehlen ungemein weiter

Zeit hat keine Bedeutung
meine Sommer sind endlos
binnen weniger Flügelschläge
bin ich meine Milchzähnchen los

Was mag es mir bedeuten das Leben
werde ich leben nur um nach Reichtum zu streben
Vergessen dass es darum geht
nicht zu messen was ich habe
sondern wer mir auf dem langen Wege zur Seite steht

Wie soll ich mich üben im Fragen
und gleichzeitig lernen die Antworten zu ertragen

Was macht es aus das Leben
was wird und will es mir freiwillig geben

Wer wird mir glauben, wenn ich zu oft gelogen
die bittere Wahrheit immer nur gebogen

Wer wird mich lieben
sobald man mich gelehrt hat zu hassen
Was würde mich unterscheiden
von all den wütenden Massen

Alles ist verwirrend
greifen fällt schwer
was mag es heißen wenn jemand zu mir sagt:
Kind, irgendwann bist du nicht mehr

Was wolltest du mir sagen, wovor warnen
Erwachsner Mann
Sag es mir
Mein kleiner Kopf fängt jetzt zu denken an

 

(c) Anna Herzig

 

 

 

 

Der Mann und das Kind (1)

Es sind die Schmerzen die vergehn und die Erinnerungen die bleiben
Der Teufel und seine grausame Kiste gefüllt mit allen Abartigkeiten der Welt lassen sich nur schwer vertreiben

Das Kind sagt: Ich will noch mehr
Der Erwachsene sagt: Um Gotteswillen ich kann nicht mehr

Der Mann flüstert: Ich kann nicht mehr lieben
Das Kind schreit: zu Lieben, das lass ich mir niemals verbieten!

Der Mann möchte bewahren, das Kind, vor späteren Taten;
Überleg dir gut wen und wie du liebst
Es passiert so schnell, dass du dein kleines Herz vergibst

Was soll mir denn schon geschehen, frohlockt das Kind,
du wirkst verbittert und alt, so will ich die Welt niemals sehen
Von Dingen die weh tun möcht ich nichts wissen,
man muss mich beschützen vor dem Bösen und
bittersüßen Abschiedsküssen

Noch hast du das Herz eines furchtlosen Entdeckers,
eines sanftmütigen Kriegers
deine bunten Lieblingssocken zeigen die Abbildung eines Baby Tigers
Noch fließt Mut durch deine Adern
aber hör mir zu:
Denn es werden Zeiten kommen, die langsam deinen zarten Verstand zermatern

Lass mich in Ruh du kennst dich nicht aus,
meine Welt ist voller Wunder
und dort,
dort gehen sich keine Schmerzen aus

Kind du musst hören, ich muss dir das sagen
So unbefangen wie du bist,
ist schwer zu etragen

Ich war wie du, weil ich bin du
Vielleicht kann ich dich retten und bergen
Für meine größte Seelenruh!

 

(c) Anna Herzig